Menschenrechtsverteidiger haben von einer Gesundheitskrise berichtet, von der sieben Dörfer in den Landkreisen Tigi und Deiyai sowie weitere Dörfer im Kamuu- und Mapia-Tal betroffen waren. Die Berichte zeigen auch, dass die örtliche Regierung nicht in der Lage ist, eine medizinische Grundversorgung und einfache, präventive Schutzmaßnahmen wie Impfungen, sanitäre Einrichtungen und Hygienemaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Mindestens 93 Dorfbewohner in diesem Gebiet sind in diesem Jahr bereits an den Folgen mehrerer Infektionskrankheiten gestorben – die meisten von ihnen Kinder unter zehn Jahren. Die Todesfälle ereigneten sich in sieben Dörfern: Ayatei, Piyake Dimi, Yinidoba, Digikotu, Epanai, Wagomani und Demago im Landkreis Tigi. Menschenrechtsverteidiger vor Ort gehen davon aus, dass die Zahl der Kinder, die an Infektionskrankheiten starben in Wirklichkeit höher ist. Viele Dorfbewohner weigerten sich, Ärzte aufzusuchen und Auskünfte zu den Krankheiten zu geben. Dies läge an der Annahme, dass die Todesfälle als „Plan Gottes“ zu akzeptieren seien.

In den örtlichen Gesundheitseinrichtungen in Deiyai wurde die plötzliche Zunahme mehrerer Krankheitsfälle im April 2017 nicht bemerkt, da die schlecht funktionierenden Einrichtungen in abgelegenen Gebieten oft nicht in der Lage sind, die Gesundheitslage adäquat zu beobachten und entsprechend zu reagieren. Die Daten, die in Dogiyai gesammelt wurden zeigen, dass die Seuche bereits im Februar 2017 ausgebrochen ist. Am 11. Juli führte ein Team von Medizinern eine Umfrage durch, um die Todesursachen zu identifizieren. Vier Tage später führten die Fachkräfte akute Behandlungen und Impfungen in mehreren Kirchen in den betroffenen Gebieten im Landkreis Deiyai durch.

Die Umfragen ergaben, dass die Tode durch mehrere Infektionskrankheiten wie akute Atemwegserkrankungen, Masern, Durchfallerkrankungen und Ruhr verursacht wurden. Die Ärzte kamen außerdem zum Ergebnis, dass Mangelernährung das Immunsystem vieler Dorfbewohner geschwächt hat. Eine zweite Untersuchung, die von Mitarbeitenden der Kirche in Zusammenarbeit mit Ärzten durchgeführt wurde, ergab jedoch, dass die meisten Tode durch Masernerkrankungen versursacht wurden, welche durch Impfungen hätten verhindert werden können. Dorfbewohner gaben an, dass einige Gesundheitsstationen (PUSTU) in dem Gebiet seit über drei Jahren geschlossen waren und die letzte Impfaktion ungefähr vier Jahre zurücklag.

 

Gesamtzahl der Todesfälle im Landkreis Tigi, aufgeteilt nach Dörfern

Nr

Dorf

Zahl der Todesfälle

01

Ayatei

6

02

Piyake Dimi

17

03

Jinidoba

14

04

Digikotu

7

05

Epanai

5

06

Wagomani

12

07

Demago

32

GESAMTZAHL

93


 

Gesamtzahl der Todesfälle im Landkreis Tigi, aufgeteilt nach Alter der Verstorbenen

Nr

Altersgruppe

Zahl der Todesfälle

01

0 Monate -1 Jahr

52

02

1 – 3 Jahre

28

03

3 -5 Jahre

5

04

5 - 10 Jahre

-

05

10 Jahre und älter

8

GESAMTZAHL

93

 

Hintergrund

Die Provinzen Papua und Papua Barat gehören weiterhin zu den Regionen mit der höchsten Kindersterblichkeitsrate in Indonesien. Gleichzeitig ist die Qualität der Gesundheitsversorgung erschreckend schlecht. Die Gesundheitseinrichtungen erfüllen selten internationale Gesundheitsstandards in Bezug auf Ausstattung, Personal und Hygiene. Krankenhäuser gibt es nur in den Städten; in abgelegenen Gebieten sind die Menschen auf kleine Kliniken (PUSKESMAS) angewiesen, die häufig nur unzureichend Personal, Medikamente und medizinische Ausstattung zur Verfügung haben. Eine Keuchhusten-Epidemie im Landkreis Nduga im Zeitraum von November 2015 bis Februar 2016 zeigte, dass weder die Provinz- noch die Zentralregierung über adäquate Überwachungs- und Reaktionsmechanismen für die gesundheitliche Situation in abgelegenen Gebieten verfügen. Es gibt keine effektive Strategien oder Präventionsmechanismen um den Ausbruch ansteckender Krankheiten in abgelegenen Gebieten zu verhindern oder zu bekämpfen.

Am 3. Mai 2017 wurde die Menschenrechtssituation in Indonesien zum 3. Mal als Teil der "Universellen Periodischen Berichterstattung" (UPR = Universal Periodic Review), einem Mechanismus der UN-Menschenrechtskommission in Genf überprüft. Die indonesische Außenministerin Retno Marsudi sprach von einer Verbesserung der menschenrechtlichen Lage in den östlichsten Provinzen Indonesiens, Papua und Papua Barat. Laut Marsudi hätten ca. 2,8 Millionen Bewohner der Provinz Papua Zugang zu kostenloser gesundheitlicher Versorgung bekommen. Diese Gesundheitsprogramme funktionieren jedoch in abgelegenen Küsten-, Insel- und Hochlandgebieten Westpapuas selten. Weitere Probleme sind Misswirtschaft, mangelnde Transparenz und eine Kultur des Mistrauens zwischen der indigenen Bevölkerung und der Regierung. Bisher hat die Regierung noch keine effektiven Strategien zur Bekämpfung von Problemen wie die Mütter-, Säuglings- und Kindersterblichkeitsraten sowie Mangelernährung.

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