Die Zahl der Todesopfer in der Region Nduga steigt weiter an. Menschenrechtsverteidiger zählten zwischen Anfang Dezember 2018 und dem 10. Oktober 2019 insgesamt 189 zivile Todesopfer. Laut eines Mitte Juli 2019 in Jakarta veröffentlichten Berichts lag die Zahl der Todesopfer bei 177 Personen, während Tausende von indigenen Menschen aus Nduga intern vertrieben wurden.

Am 9. Oktober 2019 haben Menschenrechtsaktivisten der Stiftung für Gerechtigkeit und Integrität Papuanischer Menschen (Yayasan Keadilan dan Keutuhan Manusia Papua (YKKMP) die Leichen von drei Frauen und zwei männlichen Minderjährigen im Wald beim Dorf Iniye, Bezirk Mbua, Landkreis Nduga, geborgen. Die Toten wurden als Yuliana Dronggi (35 Jahre), Jelince Bugi (25 Jahre), Macen Kusumbrue (26 Jahre), Tolop Bugi (13 Jahre) und Hardius Bugi (15 Jahre) identifiziert. Sie waren alle indigene Papuas aus dem Landkreis Nduga. Der Kommandant des Militärdistriktkommandos 1702 Jayawijaya und der Kommandant des Militärgebietskommandos 172 Papua haben sich bereit erklärt, die Menschenrechtsverteidiger während der Untersuchung zu begleiten. Nach den erhaltenen Informationen fand das Team starke Hinweise für eine Beteiligung von Mitgliedern des indonesischen Militärs (TNI), wie z.B. TNI-Lebensmitteldosen und zwei Patronenhülsen. Der Sprecher des Kommando XVII. Cenderawasih, Oberst Eko Daryanto, sprach sich für ein Strafverfolgungsverfahren gegen die Täter aus, wenn sich die Ansprüche durch eine Autopsie und eine polizeiliche Untersuchung bestätigen ließen.

Da die Zahl der Todesfälle unter den Binnenvertriebenen (IDPs) aus Nduga weiter steigt, haben mehrere Vertreter der Zivilgesellschaft die Regierung wegen diskriminierender Praktiken im Umgang mit den IDPs kritisiert. Eine große Zahl von nicht-papuanischen Migranten flüchtete im September und Oktober nach Ausbrüchen horizontaler Gewalt in der Hochlandstadt Wamena. Die Regierung hat eine große Anzahl dieser Flüchtlinge nach Jayapura geflogen und Nahrungsmittel und Notunterkünfte bereitgestellt. Im Gegensatz dazu haben Tausende von indigenen Binnenvertriebenen aus Nduga keine staatliche Unterstützung erhalten und sind auf freiwillige Hilfe von Akteuren der Zivilgesellschaft angewiesen. Aktivisten gaben an, dass Sozialarbeiter des Sozialministeriums die Geflüchteten aus Nduga in Wamena zwar besucht, aber nur die Situation dokumentiert hätten, ohne humanitäre Hilfe zu leisten.