Markierung angestammter Gebiete
Indigene Älteste, Frauen und Jugendliche sowie Journalist*innen von Jubi durchquerten die Wälder von Kordaimahkrah, Sun, Mondarmbe und Nimadaduk im Distrikt Konda im Regierungsbezirk Süd-Sorong, Provinz Südwestpapua. Sie trugen roten Stoff und Farbe bei sich, um die Bäume des Waldes als Grenzen ihres angestammten Territoriums zu markieren – basierend auf natürlichen Orientierungspunkten wie großen Bäumen, Flüssen und Bergen, die seit Langem als Grenzen der traditionellen Nutzungsrechte zwischen den Clans dienen.
Der Wald, den sie seit Generationen schützen, ist durch die Aktivitäten des Palmölunternehmens PT Anugerah Sakti Internusa (ASI) bedroht, das über eine Konzession von etwa 37.000 Hektar in den Distrikten Konda und Teminabuan verfügt. Davon liegen 14.000 Hektar auf dem angestammten Land dieser indigenen Gemeinschaften.
Klare Botschaft an Regierung und Unternehmen
Yance Mondar, ein Gemeindevorsteher aus dem Dorf Nakna, erklärte, dass die indigenen Menschen im Distrikt Konda mit dieser Aktion eine klare Botschaft an Unternehmen und Regierung senden: Traditionelle Wälder sind keine investitionsfreien Räume, sondern Gebiete mit Geschichte, Eigentum und Leben, die nicht durch Geld oder Entwicklungsversprechen ersetzt werden können.
„Wir lehnen Ölpalmen nicht ab, weil wir keine Entwicklung wollen, sondern weil Ölpalmen die Wälder zerstören werden, die seit Langem Teil unseres Lebens und unseres Glaubens sind“, sagte er. „Wenn der Wald verschwindet, verschwindet auch unsere Lebensgrundlage, und ebenso unser Erbe der Vorfahren“, fügte er hinzu.
Die Regierung des Regierungsbezirks Süd-Sorong entzog PT Anugerah Sakti Internusa (ASI) am 20. Mai 2021 mit dem Erlass Nr. 025/104/BSS/V/2021 die Plantagenlizenz. Grund dafür war, dass das Unternehmen die bei Erhalt der Genehmigung festgelegten Verpflichtungen nicht erfüllt hatte, etwa die fehlende Zustimmung der indigenen Gemeinschaft zur Übernahme ihres Landes und Waldes. Das Unternehmen klagte vor dem Verwaltungsgericht und dem Obersten Gerichtshof – die indigenen Gemeinschaften gewannen.
Trotz dieser rechtlichen Lage setzt PT ASI seine Bemühungen fort, die Zustimmung der indigenen Bevölkerung zu erhalten. Gleichzeitig werden staatliche Sicherheitskräfte eingesetzt, um die Gemeinschaften einzuschüchtern, während diese weiterhin versuchen, die tropischen Wälder zu schützen – die Lungen der Welt.
Der Wald als lebendiges Gedächtnis
Die Journalist*innen von Jubi begaben sich früh am Morgen auf eine lange Fußreise durch unberührtes Gelände vom nächstgelegenen Dorf aus – ohne Fahrzeuge und ohne Kommunikationsmittel. Indigene, die seit ihrer Kindheit im Einklang mit dem Wald leben, begleiteten sie dabei. Je tiefer sie in den Dschungel vordrangen, desto dichter und stiller wurde die Atmosphäre. Große Bäume ragten empor, einige mit einem Durchmesser von über einem Meter und vermutlich mehrere hundert Jahre alt. Das dichte Blätterdach ließ nur wenig Sonnenlicht bis zum Waldboden durchdringen. Gewaltige Wurzeln breiteten sich im feuchten Boden aus, während in der Ferne immer wieder Vogel- und Tierstimmen zu hören waren.
„Für uns, die indigene Bevölkerung des Distrikts Konda, ist dieser Wald mehr als nur ein Naturraum; jeder große Baum, jeder kleine Fluss und jeder Bergrücken markiert die Grenzen unseres angestammten Territoriums“, sagte Mondar. Diese Grenzen sind nicht auf nationalen Karten verzeichnet, sondern leben im kollektiven Gedächtnis der indigenen Gemeinschaften fort.
Während der Reise versammelten sich Dutzende Indigene, führten ein Ritual durch und setzten anschließend traditionelle Grenzpfähle, um ihre angestammten Rechte zu markieren.
Yance Mondar erklärte, dass die Patrouillen im Wald und das Setzen der Grenzpfähle dem Schutz des Gebiets vor der Ausweitung von Ölpalmenplantagen dienen. „Wir haben diese Markierungen gesetzt, weil ein Unternehmen und andere Akteure planen, Ölpalmenplantagen hier aufzubauen. Deshalb haben wir Angst und müssen unser angestammtes Land schützen“, sagte er. Er betonte, dass die Gemeinschaft befürchtet, ihren Lebensraum zu verlieren, wenn der Wald für Plantagen gerodet wird.
„Wenn die Ölpalmen kommen, werden sie unseren Wald zerstören. Wo sollen wir dann leben? Wo jagen? Wo unsere Felder bestellen? Wenn dieses Gebiet für Ölpalmen genutzt wird – wo bleibt dann unser Leben?“, sagte Yance Mondar.
An der Waldpatrouille, die von Jubi begleitet wurde, nahmen verschiedene Clans teil – darunter Älteste, Frauen und auch Jugendliche. Roter Stoff und rote Farbe markierten große Bäume als Symbole traditioneller Schutz- und Verbotszonen.
Artenvielfalt und ökologische Bedeutung des Waldes
Während ihrer Recherchereise entdeckten die Journalist*innen auch Spuren von Wildtieren: Im feuchten Boden waren Abdrücke von Wildschweinen sichtbar, und aus dem Wald waren die Rufe von Kasuaren und Paradiesvögeln zu hören. „Dieser Wald ist auch Lebensraum für zahlreiche Tiere wie Kuskusse, Baumkängurus, Hirsche und viele einheimische Vogelarten“, sagte Mondar und zeigte auf die dichte Ansammlung großer Bäume um ihn herum.
Neben seiner Funktion als Jagdgebiet ist der Wald auch für indigene Frauen von Bedeutung. Sie sammeln dort Heilpflanzen und Materialien für handwerkliche Arbeiten zur Versorgung ihrer Familien.
Der Wald als Lebensgrundlage und kulturelles Erbe
Der Wald ist ihr Zuhause, ihre Lebensgrundlage und ein spiritueller Raum, der sie mit ihren Vorfahren verbindet. Das Setzen traditioneller Grenzpfähle ist daher nicht nur ein Symbol territorialer Abgrenzung, sondern auch ein Ausdruck des Widerstands indigener Gemeinschaften zur Bewahrung ihrer Identität, Kultur und der Zukunft ihrer kommenden Generationen – sowie zum Schutz der „Lungen der Welt“.
Der Originalartikel von Jubi ist am 6. März 2026 erschienen. Das WPN hat diesen übersetzt, leicht gekürzt und mit Zwischenüberschriften versehen.
