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Aktuelles aus Westpapua

Anhaltende Gewalt auch im Mai

Gewalt gegen Zivilist*innen, Frauen, Kinder und Männer hält in Westpapua weiterhin an. Elementare und eigentlich selbstverständliche bürgerliche und politische Rechte, wie das Recht auf Leben oder das Recht auf Gesundheit, werden in einigen Regionen Westpapuas weiterhin massiv missachtet. Indigene Papua sind und bleiben Opfer schwerer Menschenrechtsverletzungen, die von indonesischen Sicherheitskräften begangen werden. Über folgende Ereignisse der letzten Tage wurde berichtet.

Weitere Gewalt in Puncak – Tote, Verletzte und Explosion bei Bergung

Zwischen dem 1. und 6. Mai 2026 führten indonesische Streitkräfte (TNI) militärische Operationen im Omukia-Distrikt, Region Puncak, Provinz Zentral-Papua durch. Dabei sollen mindestens vier indigene Papua getötet worden sein, darunter zwei Frauen. Sie wurden laut Berichten erschossen, während sie sich u.a. in ihren Gärten aufhielten. Weitere sieben Dorfbewohner wurden verletzt, als sie später die Leichen bergen wollten und dabei eine Explosion auslösten, die mutmaßlich durch eine an einer Leiche angebrachte Sprengfalle verursacht wurde. Unter den Verletzten waren auch kirchliche und lokale Führungspersonen.

Dies hatte zur Folge, dass ganze Gemeinschaften aus der Region flohen. Die Einsätze fanden im Kontext anhaltender militärischer Operationen in mehreren Distrikten (Omukia, Pogoma, Kembru) statt.

Zudem sollen Sicherheitskräfte auch in Flüchtlingscamps eingedrungen sein, IDPs verhört und Schüsse in der Nähe von Unterkünften abgegeben haben, was Angst und Unsicherheit verstärkte.

Insgesamt wird von einem wiederkehrenden Muster militärischer Gewalt berichtet, das bereits im April 2026 in Kembru mindestens zehn zivile Todesopfer gefordert haben soll. Menschenrechtsverteidiger*innen fordern ein Ende der Militäroperationen gegen zivile Gebiete.

Rechtlich wird auf mögliche Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht hingewiesen, insbesondere das Unterscheidungsprinzip zwischen Zivilisten und Kombattanten sowie das Recht auf Leben. Besonders schwer wiegt der Vorwurf möglicher Sprengfallen an Leichen, was als schwerer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht eingeordnet wird.


Polizeischüsse auf Schüler*innen

Am 5. Mai 2026 eröffneten Polizeikräfte in Kobakma, Provinz Hochland-Papua das Feuer auf eine Gruppe von Schüler*innen und verletzten mindestens sieben Menschen, überwiegend Schüler*innen einer Abschlussparade.

Die Schüler*innen feierten ihre Schulabschlüsse und marschierten durch die Stadt. Dabei wurde auch das Morgenstern-Symbol gezeigt, das in Westpapua als kulturelles Identitätssymbol gilt, von den Behörden jedoch kriminalisiert wird.

Als die Parade den Marktbereich erreichte, blockierte die Polizei diese. Es kam zunächst zu einem Wortgefecht und dann zu physischer Gewalt. Nachdem Steine geworfen wurden, setzten die Polizeikräfte Tränengas ein und schossen mit scharfer Munition in die Menge. Mindestens ein Polizist wurde ebenfalls schwer verletzt.

Die Situation führte zu anhaltender Polizeipräsenz in der Stadt.

Menschenrechtlich wird die Verhältnismäßigkeit des Gewalteinsatzes stark in Frage gestellt. Selbst wenn das Zeigen des Morgenstern-Symbols nach indonesischem Recht problematisch ist, betonen internationale Standards, dass Schusswaffeneinsatz nur als letztes Mittel zur Lebensrettung erlaubt ist.

Die Ereignisse könnten laut Analyse Verstöße gegen das Recht auf Leben sowie die Rechte auf Versammlung und Meinungsfreiheit (ICCPR Artikel 6, 19 und 21) darstellen. Besonders kritisch wird der mögliche Schusswaffeneinsatz gegen Schüler und Minderjährige bewertet, der eine Untersuchungspflicht auslöst.


Militäroperation – Tote, Verletzte und Massenflucht

Am 7. und 8. Mai 2026 führten indonesische Streitkräfte eine Operation im Gebiet Kali Kabur (Kabur River) im Distrikt Tembagapura, Mimika, Provinz Zentral-Papua durch. Dabei wurde mindestens eine Person getötet: die 17-jährige Nalince Wamang. Außerdem wurden mindestens sechs weitere Zivilist*innen durch Schüsse verletzt, darunter ein einjähriges Kind. Während einige Quellen von bis zu fünf Toten sprechen, ist bislang nur der Tod der 17-Jährigen sicher bestätigt; weitere Todesfälle werden noch geprüft. Polizeiquellen bestätigen mindestens sechs Verletzte, darunter ein einjähriges Kleinkind und ein zwölfjähriges Mädchen. Die Verletzten wurden medizinisch versorgt.

Es kam zu einer Massenflucht von rund tausend Menschen in Richtung Kimbeli und Timika.