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Pig Feast – Colonialism in Our Time: Ein Film, der bewegt

Hintergrund

Pig Feast – Colonialism in Our Time (2026) dokumentiert die tiefgreifenden ökologischen, sozialen und menschenrechtlichen Auswirkungen großflächiger Entwicklungsprojekte in der indonesischen Provinz Süd-Papua. Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Nationalen Strategischen Projekte (Proyek Strategis Nasional, PSN), mit denen die indonesische Regierung den Ausbau der nationalen Lebensmittel- und Energieproduktion vorantreibt. Der Film stellt dabei die Perspektive der indigenen Bevölkerung in den Vordergrund und beleuchtet die Folgen dieser Projekte für Mensch, Umwelt und kulturelle Identität.

Die Dokumentation ist eine Gemeinschaftsproduktion von WatchDoc, der New Indonesia Expedition, der People’s Earth Heritage Foundation (Pusaka), Jubi Media, Greenpeace Indonesien und der Papua Merauke Legal Aid Foundation (LBH). Regie führten Dandhy Dwi Laksono und Cypri Dale.

Zerstörung indigener Lebensräume

Im Zentrum der Dokumentation stehen indigene Gemeinschaften, deren traditionelle Lebensräume zunehmend industriellen Landwirtschafts-, Palmöl- und Bioenergieprojekten weichen. Der Film zeigt eindrücklich, wie großflächige Waldrodungen die Lebensgrundlagen dieser Gemeinschaften zerstören. Wälder, die über Generationen als Jagdgebiete, Nahrungsquelle, spirituelle Orte und kulturelles Erbe dienten, werden in industrielle Monokulturen umgewandelt. Die betroffenen Menschen berichten von einem tiefgreifenden Verlust ihrer Lebensweise und ihrer Beziehung zum Land.

Ein zentrales Motiv des Films ist die enge Verbindung zwischen indigener Identität und Natur. Für die porträtierten Gemeinschaften ist Land weit mehr als wirtschaftliche Ressource. Es ist Teil ihrer Geschichte, ihrer Spiritualität und ihrer sozialen Ordnung. Der Verlust des Waldes bedeutet daher nicht nur ökologische Zerstörung, sondern auch den Verlust kultureller Identität und traditionellen Wissens. Die Dokumentation macht deutlich, dass die Verteidigung der Wälder zugleich eine Verteidigung indigener Rechte und kultureller Selbstbestimmung ist.

Großflächige Entwaldung und wirtschaftliche Interessen

Besondere Aufmerksamkeit richtet der Film auf das Ausmaß der geplanten Landnutzungsänderungen. Nach Angaben der Filmemacher sollen rund 2,5 Millionen Hektar tropischen Regenwaldes für großflächige Landwirtschafts- und Bioenergieprojekte erschlossen werden. Die Dokumentation beschreibt diese Entwicklung als eines der größten gegenwärtigen Entwaldungsvorhaben weltweit.

Alle Projekte sind eng mit politischen und wirtschaftlichen Interessen verknüpft. Der Film zeichnet nach, wie staatliche Entwicklungsprogramme mit den Interessen großer Unternehmen verknüpft sind und wie wirtschaftliche Akteure Zugang zu indigenen Territorien erhalten.

Indigene Rechte und fehlende Beteiligung

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Frage indigener Landrechte. Mehrere Vertreter*innen der betroffenen Gemeinschaften berichten, dass sie den Verlust ihres Landes weder freiwillig akzeptiert hätten noch ausreichend in Entscheidungsprozesse eingebunden worden seien. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit internationale Standards wie das Prinzip der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (Free, Prior and Informed Consent – FPIC) bei der Umsetzung der Projekte eingehalten werden. Aus Sicht der porträtierten Gemeinschaften werden wirtschaftliche Entwicklungsziele regelmäßig über ihre verfassungsrechtlich geschützten Rechte gestellt.

Militarisierung und Sicherheitspolitik

Der Film thematisiert darüber hinaus die Rolle staatlicher Sicherheitskräfte im Zusammenhang mit den Entwicklungsprojekten. Interviews und Bildmaterial legen nahe, dass Militär und Sicherheitsorgane nicht ausschließlich Sicherheitsaufgaben wahrnehmen, sondern auch den Ausbau der Projekte begleiten und absichern. Angehörige indigener Gemeinschaften schildern, dass die Präsenz bewaffneter Kräfte Einschüchterung auslöse und Proteste erschwere.

Die Stimmen der Betroffenen

Ein zentrales Anliegen des Films besteht darin, die Stimmen der betroffenen Menschen selbst sichtbar zu machen. Die Dokumentation verzichtet weitgehend auf ausführliche Stellungnahmen staatlicher Institutionen und konzentriert sich stattdessen auf persönliche Erfahrungen indigener Familien, Dorfältester, kirchlicher Vertreter*innen und lokaler Aktivist*innen. Ihre Berichte vermitteln, welche konkreten Auswirkungen großflächige Entwicklungsprojekte auf den Alltag der Menschen haben – von eingeschränktem Zugang zu Land und Wasser bis hin zu sozialer Unsicherheit und Zukunftsängsten.

Friedlicher Widerstand und Solidarität

Der Film zeigt jedoch nicht ausschließlich Leid und Verlust. Er dokumentiert ebenso den vielfältigen Widerstand der betroffenen Gemeinschaften. Dieser reicht von friedlichen Protesten über juristische Verfahren bis hin zu traditionellen Zeremonien und kulturellen Ausdrucksformen, mit denen indigene Gemeinschaften ihre Verbundenheit mit ihrem Land bekräftigen. Die titelgebende Schweinezeremonie („Pig Feast“) steht dabei symbolisch für den Zusammenhalt der Gemeinschaften sowie für ihre Verantwortung gegenüber Natur und kommenden Generationen. Traditionelle Rituale werden im Film als Ausdruck kultureller Resilienz und als Form gewaltfreien Widerstands gegen Landnahme und Umweltzerstörung dargestellt.

Darüber hinaus verdeutlicht die Dokumentation die Bedeutung solidarischer Netzwerke zwischen indigenen Gemeinschaften, Umweltorganisationen, Menschenrechtsgruppen, Rechtsbeiständen, Journalist*innenund kirchlichen Akteur*innen. Der Schutz der Regenwälder und die Verteidigung indigener Rechte erscheinen dabei als gemeinsame Aufgabe einer breiten Zivilgesellschaft.

Fazit

Insgesamt zeichnet Pig Feast – Colonialism in Our Time das Bild eines tiefgreifenden Strukturkonflikts zwischen großflächiger wirtschaftlicher Entwicklung und dem Schutz von Menschenrechten, Biodiversität und indigenen Lebensweisen. Der Film versteht die Ereignisse in Papua nicht als isolierten regionalen Konflikt, sondern als Beispiel für globale Herausforderungen im Spannungsfeld von Ressourcenpolitik, Klimaschutz, wirtschaftlicher Entwicklung und den Rechten indigener Völker. Damit liefert die Dokumentation wichtige Impulse für internationale Debatten über nachhaltige Entwicklung, Unternehmensverantwortung, Umweltgerechtigkeit und den Schutz demokratischer Teilhabe.

Das Westpapua-Netzwerk zeigte „Pesta Babi“ in Kooperation mit Watch Indonesia! und Jerman Bergerak im April in Berlin. Es sind weitere Kinovorführungen und Diskussionen geplant, über die wir Sie auf unserer Homepage informieren.

Hier geht es zu der Dokumentation auf YouTube: