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Bewaffneter Zusammenstoß bei Gottesdienst in Nduga – Sicherheitskräfte töten indigene Frau, drei Teilnehmer werden schwer verletzt

Am 24. Februar 2020 wurden die neuen Abgeordneten des Lokalparlaments im Landkreis Nduga offiziell in ihr neues Amt eingesetzt. Die Abgeordneten veranstalteten daraufhin am 26. Februar 2020 einen öffentlichen Dankgottesdienst mit traditionellem Erdofen in der Ortschaft Kenyam. Viele Menschen aus umliegenden Bezirken in Nduga waren zu dem öffentlichen Ereignis gekommen. Die Feierlichkeiten wurden jedoch von einem bewaffneten Zusammenstoß zwischen Mitgliedern der Nationalen Befreiungsarmee Westpapuas (TPN PB) und indonesischen Sicherheitskräften überschattet. Bei den Feuergefechten erschossen indonesische Sicherheitskräfte die 25-jährige Weslina Tabuni (siehe Foto oben) bei dem Versuch eine Deckung zu suchen. Sie erlitt eine tödliche Schusswunde am Hals und erlag kurze Zeit später der Verletzung.  Ein weiterer indigener Papua namens Yusman Wasiangge (20 Jahre alt) wurde ebenfalls bei der Schießerei von einer Kugel getroffen. Das Projektil traf Yusman auf der rechten Seite des unteren Rückens (siehe Foto Mitte rechts). Er wurde am 27. Februar 2020 in das öffentliche Krankenhaus in Timika eingeliefert, wo die Kugel am darauffolgenden Tag operativ entfernt wurde.

Nach Angaben von Menschenrechtsverteidigern vor Ort folterten Sicherheitskräfte zwei weitere indigene Papuas namens Kriantus Uburuangge (siehe Foto unten links) und Inikianus Wumangge (37 Jahre) kurz nach dem Zwischenfall (siehe Tabelle). Beide wurden am 27. Februar 2020 ebenfalls in das öffentliche Krankenhaus in Timika eingeliefert.

Berichten zu Folge hatten Mitglieder des Militärs Kriantus gebeten bei der Bergung eines verwundeten Soldaten zu helfen. Als Kriantus zu dem nahe gelegenen Militärposten eilte, wurde er von Sicherheitskräften verhaftet und gefoltert. Inikianus Wumangge wurde von Soldaten verhaftet als er sich zusammen mit einer Gruppe von Dorfbewohnern, die ebenfalls an dem Gottesdienst teilnahmen, bei dem Feuergefecht in Sicherheit bringen wollte.

 

Informanten berichten, dass die Sicherheitskräfte nach der bewaffneten Auseinandersetzung am 27. und 28. Februar mehrere Wohngebiete in Kenyam durchsuchten. Die TPN PB kündigte Vergeltungsschläge für die indigenen Zivilisten an, die bei dem Feuergefecht verletzt oder getötet wurden.

 

 

 

 

 

Tabelle der Opfer während bewaffnetem Zusammenstoß in Kenyam am 26 Februar 2020

Nr

Name

Alter

Geschlecht

Zusätzliche Informationen

1

Weslina Tabuni

25 Jahre

weiblich

Mutter eines Babies; erlitt tödliche Schussverletzung am Hals, wurde am 27. Februar 2020 in Kenyam bestattet

2

Yusman Wasiangge

20 Jahre

männlich

Erlitt Schussverletzung auf der rechten Seite des unteren Rückens, Kugel musste operative entfernt werden

3

Kriantus Uburuangge (Spitzname: Riantus)

22 Jahre

männlich

Wurde wiedeholt von Sicherheitskräften mit einem Gewehrkolben geschlagen, er erlitt blutende Wunden am unteren Rücken und Prellungen an den Rippen sowie im Gesicht, wurde ins Krankenhaus eingeliefert

4

Inikianus Wumangge

(Spitzname: Kiantus)

37 Jahre

männlich

Oberhaupt im Dorf Duwe im Bezirk Mapenduma, Soldaten verhafteten und folterten ihn mit Gewehrkolben, er erlitt eine blutende Wunde auf der rechten Wange, Prellungen am ganzen Körper sowie am Hinterkopf, beide Lippen waren geschwollen, wurde ins Krankenhaus eingeliefert