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Indigener Widerstand in Süd-Papua: Die Malind verteidigen ihr Land gegen staatliche Großprojekte

Militärpräsenz und wachsender Druck

Der Widerstand der indigenen Malind-Gemeinschaft im Regierungsbezirk Merauke in der Provinz Süd-Papua gegen großflächige Landerschließungsprojekte ist von Spannungen, Einschüchterung und wachsendem Druck geprägt. Nach Beginn der Waldrodungen wurden rund tausend Militärangehörige im Distrikt Ilwayab stationiert, um die Umsetzung der Projekte zu überwachen. Mitglieder der Gemeinschaft berichten von Gewalt, Einschüchterungen und der Angst, sich offen gegen die Maßnahmen zu wehren.

Ein umstrittenes Infrastrukturprojekt

Im Mittelpunkt des Konflikts steht u.a. der Bau einer 135 Kilometer langen Straße im Rahmen eines Nationalen Strategischen Projekts (PSN) zur Entwicklung von Reisanbauflächen. Die Straße verläuft von Wanam Village (Distrikt Ilwayab) durch die Dörfer Wogikel, Salamepe, Nakias, Tagaepe, Ilhalik, Kapdel und Solo Village bis zum Distrikt Muting und durchquert mehrere Distrikte: Ilwayab, Ngguti und Muting.

Nach Aussagen der Malind wurde das Projekt ohne ihre freie, vorherige und informierte Zustimmung umgesetzt. Weder habe es ernsthafte Konsultationen noch transparente Entscheidungsprozesse gegeben.

Schwere Verfahrensmängel und fehlende Transparenz

Die indigenen Vertreter kritisieren, dass die Rodungsarbeiten bereits im September 2024 begonnen hatten, während die Umweltgenehmigung erst ein Jahr später, im September 2025, erteilt wurde. Wichtige Dokumente wie die Umweltverträglichkeitsprüfung (AMDAL) oder technische Entwicklungspläne seien der Gemeinschaft nie zugänglich gemacht worden.

Die Malind-Gemeinschaft reichte deshalb eine Klage beim Verwaltungsgericht Jayapura (PTUN Jayapura) ein und fordern die Aufhebung des Regierungsbeschlusses, der die Umweltgenehmigung für den Straßenbau erteilt hatte.

Bedrohung für Umwelt und Kultur

Neben ökologischen Folgen gefährdet das Projekt auch die kulturellen Grundlagen der Malind. Die Gemeinschaft lebt traditionell vom Wald, insbesondere vom Sago als Grundnahrungsmittel. Durch die Reisanbauprojekte verändert sich die Lebensweise der Malind grundlegend.

„Das ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch eine Verletzung unserer kulturellen Rechte“, betont Andreas Mahuse. Der Wald ist für die Malind nicht nur Lebensraum, sondern auch „Himmel“, in dem Gott alles bereitgestellt habe, was sie zum Leben brauchen.

Konflikte innerhalb der Gemeinschaft & Gewalt durch Sicherheitskräfte

Die Projekte haben auch soziale Spannungen innerhalb der Gemeinschaft verschärft. Einige Mitglieder akzeptierten Angebote von Unternehmen, andere lehnten sie strikt ab.

Zudem berichten einige über Gewalt durch Sicherheitskräfte.  

Der juristische Weg des Widerstands

Währenddessen gehen die unternehmerischen Aktivitäten Tag und Nacht weiter und die Malind können diese derzeit nicht stoppen. Heute sind die meisten angestammten Gebiete der Malind entweder in Unternehmenskonzessionen oder als Produktionswald ausgewiesen. Von rund zwei Millionen Hektar bleibt nur ein kleiner Restwald als Lebensraum für Menschen und Tiere wie Kasuare oder Paradiesvögel.

Die Klage vor dem Verwaltungsgericht ist ein Versuch der Malind, ihre Rechte zu verteidigen und die illegale Nutzung ihres Landes anzufechten. Die Gemeinschaft fordert, dass ihr angestammtes Land respektiert wird: „Das Land gehört weder dem Dorfvorsteher, dem traditionellen Chef noch der Regierung, sondern dem Clan, weitergegeben von Generation zu Generation. Wenn ein Clan nicht zustimmt, kann kein Land aufgegeben werden“, erklärt Simon Petrus Balagaize.

Die Malind betonen, dass sie Entwicklung nicht grundsätzlich ablehnen, aber auf Respekt und Anerkennung ihrer Rechte als Eigentümer ihres Landes bestehen. Ihr Ziel ist es, ihre Wälder und Lebensgrundlagen zu schützen und gegen staatliche Großprojekte Widerstand zu leisten.

Der Originalartikel von Jubi ist am 6. März 2026 erschienen. Das WPN hat diesen übersetzt, gekürzt und mit Zwischenüberschriften versehen.