Umweltzerstörung durch Palmöl-Expansion bedroht indigene Lebensgrundlagen
Die aktuelle Entwicklung in Westpapua zeigt eine deutliche Zuspitzung von Konflikten um Umweltzerstörung, Landrechten und Militarisierung. Regierungsvorhaben zur Ausweitung von Palmölplantagen sowie sogenannte nationale strategische Projekte stoßen auf massiven Widerstand von Kirchen, indigenen Gemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen.
Der katholische Bischof von Timika, Bernardus Bofitwos Baru, warnt eindringlich vor der geplanten Ausweitung von Palmölplantagen in Papua, die von Präsident Prabowo Subianto vorangetrieben wird. Die Regierung argumentiert mit wirtschaftlicher Entwicklung sowie Energie- und Ernährungssouveränität.
Kirchliche und zivilgesellschaftliche Akteure widersprechen jedoch entschieden: Die ökologischen Schäden – insbesondere massive Abholzung, Verlust von Biodiversität und Verschärfung der Klimakrise – würden die wirtschaftlichen Vorteile bei weitem übersteigen. Bereits heute sind dutzende Unternehmen auf einer Fläche von über einer Million Hektar tätig; weitere großflächige Rodungen sind geplant.
Aus kirchlicher Sicht steht dabei nicht allein eine ökologische Frage im Raum, sondern eine zutiefst ethische. Bischof Baru betont, dass der Wald Lebensraum, Nahrungsquelle und spiritueller Ort der indigenen Gemeinschaften ist. Land dürfe nicht auf einen ökonomischen Faktor reduziert werden. Die Kirche spricht von einer „Verletzung der Würde der Schöpfung“, wenn Natur ausschließlich unter dem Gesichtspunkt von Profitmaximierung betrachtet wird.
Zugleich fordert die katholische Kirche eine Entwicklungsstrategie, die auf Partizipation, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit basiert. Wirtschaftliche Projekte müssten die freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) der betroffenen indigenen Gemeinschaften respektieren. Ohne diese Grundlage seien Großprojekte moralisch nicht legitim.
Militarisierung als Belastung für Bevölkerung und kirchliches Leben
Parallel zur wirtschaftlichen Expansion kritisiert die katholische Kirche die massive Militärpräsenz in Papua. Laut Regierungsangaben sind ca. 12.000 Soldaten in Westpapua stationiert, offiziell zur Bekämpfung separatistischer Gruppen wie der West Papua National Liberation Army.
Bischof Baru bezeichnet die übermäßige Militärpräsenz als gescheiterte Sicherheitspolitik. Sie schüre Angst, schränke Bewegungsfreiheit ein und beeinträchtige alltägliche Aktivitäten wie Landwirtschaft und kirchliches Leben. Berichte über militärische Besetzungen kirchlicher Einrichtungen – darunter Schulen – verdeutlichen die tiefgreifenden Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung.
Die Kirche kritisiert insbesondere, dass Sicherheitsmaßnahmen ohne ausreichende Transparenz und ohne Beteiligung der lokalen Bevölkerung umgesetzt werden. Sie betont, dass echte Sicherheit nicht durch Militarisierung, sondern durch Gerechtigkeit, Dialog und die Achtung der Menschenrechte entsteht.
Die katholische Kirche ruft die Regierung dazu auf, in einen ernsthaften Dialog mit indigenen Vertreter*innen, kirchlichen Akteur*innen und der Zivilgesellschaft einzutreten, um die Ursachen des Konflikts politisch zu lösen. Frieden könne nicht militärisch erzwungen werden.
Evangelische Kirche positioniert sich klar gegen Militarismus und Großprojekte
Auch die evangelische Kirche in Indonesien hat sich eindeutig positioniert. Die Indonesian Communion of Churches (PGI), der Dachverband protestantischer Kirchen, verurteilt sowohl die militärische Expansion als auch die nationalen strategischen Projekte in Westpapua scharf.
Unter der Leitung von Jacklevyn Frits Manuputty erklärt die PGI, dass diese Projekte Instrumente staatlicher Unterdrückung, Landraub und eine Fortsetzung innerstaatlicher Kolonialisierung seien. Die evangelische Kirche stellt sich ausdrücklich an die Seite der indigenen Bevölkerung in Westpapua und fordert die Achtung von Demokratie, Menschenrechten und der Würde der Schöpfung.
Die PGI betont, dass die Kirche angesichts von Ungerechtigkeit nicht schweigen dürfe. In ihren Stellungnahmen hebt sie hervor, dass Militarismus und autoritäre Strukturen einem friedlichen Miteinander widersprechen. Die Bewahrung der Schöpfung sei kein optionales Anliegen, sondern integraler Bestandteil kirchlichen Handelns.
Darüber hinaus fordert die evangelische Kirche Transparenz bei Landvergaben sowie eine Stärkung der Rechte traditioneller Gemeinschaften.
Fazit: Ökumenische Verantwortung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung
Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche treten in Westpapua als zentrale gesellschaftliche Akteure auf, die sich klar für den Schutz der Umwelt und der Wälder, die Rechte indigener Gemeinschaften, die Wahrung der Menschenrechte, Entmilitarisierung sowie für demokratischen Dialog einsetzen.
Beide Kirchen verstehen ihr Engagement ausdrücklich als geistlichen Auftrag und gesellschaftliche Verantwortung. Sie verbinden Menschenrechtsarbeit mit theologischer Reflexion über Gerechtigkeit, Frieden und die Integrität der Schöpfung.
Damit sind die Kirchen in Westpapua nicht nur seelsorgliche Begleiterinnen der Bevölkerung, sondern eine der wenigen kontinuierlichen, öffentlich wahrnehmbaren und moralisch legitimierten Stimmen gegen staatliche Machtpolitik. Für NGOs und internationale Partner bieten sie wichtige Kooperationsmöglichkeiten für Solidarität, Advocacy und ökumenische Zusammenarbeit im Einsatz für Menschenwürde und Umweltgerechtigkeit.
