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Aktuelles aus Westpapua

Frauen und Kinder im bewaffneten Konflikt in Westpapua

Frauen und Kinder besonders von Gewalt betroffen

Nach Einschätzung des United Papuan Women’s Forum sind Frauen und Kinder die Hauptleidtragenden des anhaltenden bewaffneten Konflikts in Westpapua. In einer im Juli 2026 veröffentlichten Erklärung wirft das Forum der indonesischen Regierung vor, ihrer Verpflichtung zum Schutz der Rechte indigener Frauen und Kinder nicht nachzukommen. Zwischen April und Juli 2026 dokumentierte das Forum mindestens neun Fälle schwerer Gewalt gegen Frauen und Kinder, darunter mutmaßlich rechtswidrige Tötungen, Schussverletzungen sowie Verletzungen durch Sprengkörper im Zusammenhang mit Militäroperationen.

Zu den dokumentierten Vorfällen zählen die Tötung älterer Frauen, einer schwangeren Frau und einer Jugendlichen sowie der Tod eines Kleinkindes. Darüber hinaus wurden mehrere Kinder und Frauen – darunter eine schwangere Frau – bei Militäroperationen verletzt. In einem weiteren Fall kam eine hochschwangere Frau infolge eines Schusswaffeneinsatzes ums Leben; auch das durch eine Notoperation entbundene Kind überlebte nicht. Nach Angaben des Frauenforums verdeutlichen diese Vorfälle, dass Zivilpersonen, insbesondere Frauen und Kinder, zunehmend unmittelbar von den Auswirkungen des Konflikts betroffen sind.

Humanitäre Krise und Vertreibung

Das Frauenforum weist darauf hin, dass Frauen und Kinder den größten Teil der Binnenvertriebenen in den Konfliktregionen Westpapuas ausmachen. Besonders betroffen seien die Regierungsbezirke Nduga, Puncak, Intan Jaya, Pegunungan Bintang und Mimika. Viele Familien leben dort unter prekären Bedingungen und verfügen nur über einen eingeschränkten Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Gesundheitsversorgung, Bildung und Schutz. Nach Angaben des Forums seien zahlreiche Vertriebene an Krankheiten oder Mangelernährung gestorben, während viele Kinder seit Jahren keinen regelmäßigen Schulunterricht mehr besuchen könnten.

Neben den materiellen Folgen verweist das Forum auf die langfristigen psychischen Auswirkungen des Konflikts. Wiederkehrende Militäreinsätze, Vertreibung und Gewalterfahrungen führten zu tiefgreifenden Traumatisierungen, insbesondere bei Kindern. Die anhaltende Unsicherheit gefährde nach Einschätzung des Forums die Zukunft einer ganzen Generation indigener Papuas.

Militarisierung verschärft die Lebensbedingungen

Das Frauenforum kritisiert die zunehmende Militarisierung Westpapuas als wesentlichen Faktor für die Verschlechterung der Lebensbedingungen. Neue Militärposten und verstärkte Truppenpräsenz erschwerten insbesondere Frauen den Zugang zu Gärten, Wäldern und anderen traditionellen Nahrungsquellen. Teilweise seien Schulen und öffentliche Gebäude ohne Zustimmung der Bevölkerung zu Militärstützpunkten umfunktioniert worden. Dies beeinträchtige nicht nur die Versorgung der Familien, sondern verstärke auch Angst und Unsicherheit in den betroffenen Gemeinden.

Entwicklungsprojekte bedrohen Lebensgrundlagen

Neben den sicherheitspolitischen Maßnahmen kritisiert das Forum auch staatliche Großprojekte, insbesondere die Nationalen Strategischen Projekte (PSN). Nach Einschätzung des Frauenforums führen diese Vorhaben zu Landverlust, Umweltzerstörung und dem Entzug traditioneller Lebensgrundlagen indigener Gemeinschaften. Besonders Frauen seien davon betroffen, da sie eine zentrale Rolle bei der Nahrungsmittelversorgung ihrer Familien und der Bewirtschaftung des Landes einnehmen. Zudem kritisiert das Forum den geplanten Bau eines Weltraumbahnhofs auf Biak, der ohne ausreichende Beteiligung der betroffenen indigenen Bevölkerung vorangetrieben werde und weitere Landkonflikte auslösen könne.

Forderungen des Frauenforums

Das United Papuan Women’s Forum fordert die indonesische Regierung auf, die Rechte indigener Frauen und Kinder auf Leben, Sicherheit und körperliche Unversehrtheit wirksam zu schützen, die Sicherheitsstrategie in Westpapua grundlegend zu überprüfen und zusätzliche, von außerhalb entsandte Truppen abzuziehen. Statt einer weiteren Militarisierung müsse ein friedlicher und inklusiver Dialog zur Lösung des Konflikts eingeleitet werden.

Darüber hinaus fordert das Forum unabhängige Untersuchungen aller dokumentierten Gewaltfälle durch die Nationale Menschenrechtskommission (Komnas HAM) und die Nationale Kommission gegen Gewalt an Frauen (Komnas Perempuan). Regionale Regierungen und Parlamente in Westpapua werden aufgefordert, konkrete Maßnahmen zum Schutz der Rechte von Frauen und Kindern zu ergreifen und die Sicherheitskräfte für mutmaßliche Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu ziehen.