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Aktuelles aus Westpapua

Indonesische Kirchen fordern Dialog statt weiterer Militarisierung in Westpapua

Gemeinsamer Appell der Kirchen

Acht der größten christlichen Kirchen und Kirchenverbände Indonesiens haben die Regierung unter Präsident Prabowo Subianto in einer gemeinsamen Erklärung aufgefordert, die anhaltende Krise in Westpapua nicht durch eine weitere Militarisierung, sondern durch Dialog, Gerechtigkeit und den Schutz der Menschenwürde zu lösen. Die Erklärung trägt den Titel „Beendet die humanitäre Krise in Papua: Verteidigt Menschenwürde, Dialog und Gerechtigkeit – nicht Militarisierung“ und wurde unter anderem von der Indonesischen Bischofskonferenz (KWI) und der Communion of Churches in Indonesia (PGI) unterzeichnet. Darin warnen die Kirchen, dass sich der Konflikt zu einer strukturellen humanitären Krise entwickelt habe, für die bislang keine nachhaltige politische Lösung gefunden wurde.

Anhaltende Gewalt und Menschenrechtsverletzungen

Die Kirchen appellieren sowohl an die indonesischen Sicherheitskräfte als auch an bewaffnete Unabhängigkeitsgruppen, sämtliche Gewalt gegen Zivilpersonen einzustellen. Nach Angaben der Nationalen Menschenrechtskommission Indonesiens (Komnas HAM) kamen im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 59 Menschen im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt ums Leben. Darunter befanden sich 43 Zivilpersonen, acht Angehörige der indonesischen Sicherheitskräfte (TNI-Polri) sowie acht Mitglieder der West Papua National Liberation Army (TPNPB-OPM). Als Beispiele für die anhaltende Gewalt nennen die Kirchen die Tötung des Bauern Okto Tigau sowie den Tod der schwangeren Frau Markina Sondegau, die Anfang Juli 2026 während eines Schusswechsels in Intan Jaya tödlich getroffen wurde. Die Nationale Menschenrechtskommission bewertet beide Fälle als mögliche Menschenrechtsverletzungen und fordert eine unabhängige Aufklärung sowie eine Überprüfung der Sicherheits- und Militärpolitik in Westpapua.

Humanitäre Folgen des Konflikts

Besorgt äußern sich die Kirchen auch über die zunehmende Zahl der Binnenvertriebenen. Nach Angaben der Communion of Churches in Indonesia (PGI) mussten inzwischen rund 107.000 Menschen ihre Heimat verlassen, andere geben Zahlen von über 120.000 Binnenvertriebenen an. Allein zwischen Mai und Juli 2026 wurden in Intan Jaya rund 3.000 Menschen vertrieben. Besonders betroffen seien Frauen, Kinder, indigene Gemeinschaften, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, die vielfach keinen ausreichenden Zugang zu Nahrung, Gesundheitsversorgung, Bildung, Schutz oder seelsorgerischer Begleitung hätten.

Kritik an der Militarisierung

Die Kirchen kritisieren, dass die anhaltende Militarisierung – darunter die Entsendung zusätzlicher, nicht ortsansässiger Truppen, der Ausbau militärischer Infrastruktur sowie die Intensivierung von Militäroperationen – keinen gerechten und dauerhaften Frieden geschaffen habe. Stattdessen habe sie zu weiterer Vertreibung, Angst, Traumatisierung und einem sich fortsetzenden Kreislauf der Gewalt beigetragen. Das Wohlergehen der Bevölkerung dürfe nicht an der Zahl der Sicherheitskräfte gemessen werden, sondern an Verbesserungen bei Bildung, Gesundheitsversorgung, dem Schutz der Rechte indigener Völker, der Achtung traditioneller Landrechte sowie der Möglichkeit, ohne Angst leben zu können.

Forderung nach einem politischen Dialog

Die Kirchen erneuern deshalb ihre langjährige Forderung nach einem inklusiven und ernsthaften Dialog, an dem alle relevanten Akteure beteiligt werden. Ein solcher Dialog sei kein Zeichen staatlicher Schwäche, sondern Ausdruck demokratischer Reife und die Voraussetzung, um Vertrauen wiederherzustellen, erlittenes Leid anzuerkennen und eine friedliche Lösung des Konflikts zu finden. Gleichzeitig fordern sie die Regierung auf, den Schutz der Zivilbevölkerung und die humanitäre Versorgung von Binnenvertriebenen stärker in den Mittelpunkt zu stellen sowie die kirchliche humanitäre und seelsorgerische Arbeit nicht als politische Parteinahme zu stigmatisieren.

Kirchenvertreter erklärten zudem, sie hätten Präsident Prabowo bereits mehrfach schriftlich um ein persönliches Gespräch gebeten, bislang jedoch keine Antwort erhalten.