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Vertreter des Kirchenrates von Westpapua (Foto: WPN)

Kirchenrat von Westpapua: „Kirche wird zur Zielscheibe“

Nach einem Angriff auf das Büro der Kingmi-Kirche in Keneyam, Landkreis Nduga, am 16. September 2023, äußerte sich der Kirchenrat von Westpapua besorgt über Äußerungen der Regierung, die die Kirche als Unterstützer der Nationalen Befreiungsarmee von Westpapua (TPNPB) bezeichnet. Benny Giay, der Vorsitzende des Kirchenrates von Westpapua, kritisierte, dass die Kirche nun zur Zielscheibe geworden sei. Zudem sei zu befürchten, dass nach der Kingmi-Kirche eine andere Kirchengemeinschaft in Westpapua die nächste sein könnte.

Bei dem Angriff im September durchsuchten mehrere Mitglieder der Bezirkspolizei Nduga und der Polizeieinsatzgruppe Damai Cartenz ein Wohnhaus und das örtliche Hauptbüro der Papuanischen Tabernakelkirche (Kingmi-Kirche) in der Stadt Keneyam, Landkreis Nduga, Provinz Hochland-Papua.

Gewalt gegen Kirchenmitarbeitende

Kirchengebäude in Keneyam, Landkreis Nduga
Foto: Suara Papua/Kingmi

Die Polizeibeamten verhafteten willkürlich mehrere Papuas und zwangen sie gewaltsam, die Namen von Personen preiszugeben, die kürzlich an einer Beerdigung mehrerer Mitglieder der Nationalen Befreiungsarmee Westpapuas (TPNPB) teilgenommen hatten. Nachdem hierbei auch der Name eines Pastors fiel, verschafften sich die Sicherheitskräfte gewaltsam Zutritt in das Büro der Kingmi-Kirche in Keneyam, durchsuchten es und verhafteten drei weitere Papuas, ohne einen Haftbefehl vorzulegen. Berichten zufolge wurde dabei Gewalt angewendet. Alle festgenommenen Personen wurden später aus Mangel an Beweisen freigelassen.

Giay erklärte, dass das Motiv für diesen Angriff die immer wiederkehrenden Ereignisse in Papua widerspiegelt, bei denen es um die reichhaltigen natürlichen Ressourcen der Region gehe. Das Engagement der Kirche in der Region ist für viele ein Dorn im Auge. Die Kirche werde mit abwertenden Begriffen wie „Kirche des Teufels“ bezeichnet, so Giay, was darauf hindeute, dass sie den Ambitionen bestimmter Parteien in der Region im Wege steht.

ELSHAM Papua sieht Zunahme von Gewalt mit großer Besorgnis

Westpapua ist zu einem Schlachtfeld geworden

ELSHAM Papua

Nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation ELSHAM Papua (Institute for Human Rights Study and Advocacy) sind die jüngsten Ereignisse in den vergangenen Monaten ein Beleg dafür, dass Westpapua mittlerweile von den Konfliktparteien wie ein Schlachtfeld genutzt werde. Mit gravierenden Folgen für das Überleben und den Schutz der Zivilbevölkerung in Westpapua. ELSHAM Papua fordert daher den indonesischen Präsidenten zu größerer Aufmerksamkeit auf und erinnert Komnas HAM an die Verantwortung, anhaltende Menschenrechtsverletzungen in Westpapua zu untersuchen. Auch die Sicherheitskräfte werden dazu aufgefordert, illegale Waffenkäufe und – verkäufe innerhalb der Polizei und des Militärs zu überprüfen. Auch die TPNPB wird dazu aufgerufen, das Leben der Zivilgesellschaft nicht für ihre eigenen Ziele zu opfern.