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Ankunft von 600 Soldaten im Hafen von Timika (Foto: örtlicher Aktivist)

Neue Entwicklungen beim bewaffneten Konflikt in Nduga

Die Stiftung für Gerechtigkeit und die Integrität der papuanischen Völker (YKKMP) hat einen neuen Bericht mit aktualisierten Informationen zur Situation im Landkreis Nduga veröffentlicht. Seit Beginn der weitreichenden Sicherheitsoperation am 4. Dezember 2018 dürfen Journalisten, Menschenrechtsverteidiger und Beobachter von außen nicht in die Region reisen. Die Zahl der zivilen Opfer nimmt zu, während die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen indonesischen Sicherheitskräften und der West-Papua-Befreiungsarmee anhalten. Lokale Menschenrechtsorganisationen dokumentierten die Fälle von mindestens elf indigenen Papua, die seit Beginn der Militäroperationen von Mitgliedern der Sicherheitskräfte getötet worden seien (siehe Tabelle).

Ein Mann mit geistiger Behinderung namens Yuwes Gwijangge wurde im Bezirk Nirkuri gefoltert. Militärangehörige schlugen ihn mit einem Gewehrkolben gegen die Stirn und den Nacken und verursachten blutende Verletzungen. Anschließend fesselten sie ihn angeblich mit einem Seil und zerrten ihn über die Landebahn des Flugplatzes.

Menschenrechtsverteidiger berichteten zudem, dass die Kirchen im Bezirk Mapenduma am 26. Januar 2019 leer waren, als sie das Gebiet besuchten. Die meisten Menschen hätten ihr Dorf verlassen und seien in die benachbarten Landkreise oder in die umliegenden Wälder geflüchtet, weil sie sich vor repressiven Taten der Streitkräfte fürchten. Die Kirche der Sion Gemeinde in Mapenduma wurde Berichten zufolge für eine Woche lang von Militärs besetzt.

Ein Team der Gesundheitsbehörde der Provinz Papua besuchte die Distrikte Mbuwa und Dal, um Binnenvertriebenen (IDPs) aus den beiden Distrikten und dem Distrikt Mbulmu Yalma Gesundheitsdienstleistungen anzubieten. Menschenrechtsverteidiger erklärten jedoch, dass das Militär diese Aktionen überwacht hätte. Viele Geflüchtete seien traumatisiert und hätten daher aufgrund der Militärpräsenz die dringend benötigte medizinische Versorgung nicht in Anspruch genommen. Mitglieder des militärischen Kommandos Yonif 751 Raider benutzten ein Gesundheitszentrum (PUSKESMAS) im Distrikt Mapenduma als Sicherheitsposten, ohne vorher den Leiter der Einrichtung zu informieren.

Menschenrechtsverteidiger haben auch dokumentiert, dass Mitglieder der Sicherheitskräfte mehrere kleine Läden von lokalen indigenen Unternehmern zerstört und einige der Waren mitgenommen hätten. Außerdem seien Türen und die Inneneinrichtung mehrerer Häuser zerstört und beschädigt worden, als die Soldaten Dörfer in Mapenduma auf der Suche nach Mitgliedern der bewaffneten Widerstandsbewegung durchkämmten. Berichten zufolge sind mehr als 2000 Binnenvertriebene des Landkreises Nduga in den Landkreis Jayawijaya geflüchtet, während es weiterhin zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Nationalen Befreiungsarmee von West Papua (TPN-PB) und den indonesischen Sicherheitskräften kommt. Am 7. März 2019 eröffneten TPN-PB-Truppen das Feuer auf eine Gruppe von Militärangehörigen im Dorf Windi im Distrikt Derakma, nachdem die Militärangehörigen angeblich fünf Häuser von Zivilisten in Brand gesteckt hatten. Dabei wurden mindestens drei indonesische Soldaten getötet. Die TPN-PB behauptet, ein indigener Zivilist namens Amiri Nimiage (52 Jahre) sei von den Streitkräften getötet worden.

Das indonesische Militär reagierte mit der Entsendung zusätzlicher Militäreinheiten nach West-Papua. Am 9. März 2019 kamen etwa 600 Soldaten im Hafen von Timika an (siehe Bild). Sie werden im Landkreis Nduga eingesetzt, um rasch und hart gegen die TPN-PB vorzugehen. Bei einem Schusswechsel am 20. März 2019 im Bezirk Mugi starb ein Beamter der mobilen Brigade der Polizei. Zwei weitere Polizisten wurden verletzt.

 

Tabelle: Opfer außergerichtlicher Tötungen während der Militäroperation im Landkreis Nduga

Nr

Name des Opfers

Alter

Distrikt

Erläuterungen

1

Mentus Nimiangge

21

Yigi

Bei Luftangriffen am 4. Dezember von einer Kugel getroffen, die am Nacken in den Körper eintrat und durch die linke Schulter wieder austrat. Das Opfer erlag am 15. Dezember seinen Verletzungen.

2

Mianus Lokbere

18

Yigi

Schussverletzung bei den Luftangriffen am 4. Dezember, während der Flucht in den Wald. Sein verwester Leichnam wurde am Morgen des 13. Dezember 2018 gefunden.

3

Nison Umangge

18

Yigi

Schussverletzung bei den Luftangriffen am 4. Dezember, während der Flucht in den Wald. Seine Familie fand seinen Leichnam am 13. Dezember 2018.

4

Rocky Lani

unbekannt

Mapenduma

Kopfschuss

5

Pirando Gwijangge

unbekannt

Mapenduma

Erschossen, während er am 18. Dezember 2018 mit Freunden durch den Wald ging.

6

Boas Kogoya

unbekannt

Mapenduma

Schussverletzungen in der Brust und im linken Oberschenkel während der Flucht zum Fluss.

7

Pfarrer Gemin Nirigi

85

Mapenduma

Erschossen von Soldaten, dann angeblich mit seiner Matratze hinter seinem Haus eingeäschert

8

Keri Gwijangge

30

Nirkuri

Erschossen

9

Rabu Gwijangge

50

Nirkuri

Schussverletzungen in der Brust und anderen Körperteilen

10

Alilius Nimiangge

unbekannt

Yigi

In seiner Holzhütte bei lebendigem Leibe verbrannt

11

Salina Gwijangge

unbekannt

Nirkuri

Schwere Verbrennungen, die nach Kontakt mit Rauch Schwarz wurden, bei Luftangriffen durch das Militär